Praxis Proktologe und Chirurg München

Eine royale Analfistel und deren Folgen

Der Sonnenkönig ist einer der bekanntesten Regenten der Geschichte. Ganze 72 Jahre lang herrschte er als König von Frankreich. Um genau zu sein, von 1643 bis zu seinem Tod im Jahre 1715.

Bild von Maurisa Mayerle auf PixabayIn den Jahren seiner Regentschaft kommt er in den Genuss einer moderneren Welt: Vauban (französischer General und unglaublicher Festungsbaumeister: „Eine Stadt, die von Vauban belagert wird, fällt. Eine Stadt, die von Vauban verteidigt wird, ist uneinnehmbar!“ ), Le Nôtre (fantastischer und sehr berühmter Landschaftgärtner), La Fontaine (wer ist nicht mit seinen Fabeln aufgewachsen?) und so viele mehr.

Damals genossen die Chirurgen allerdings sehr wenig Ansehen. Operationen wurden nicht von Ärzten ausgeführt, sondern von Friseuren und Barbieren. Man verachtete sie wegen ihres verunreinigenden Kontaktes mit Blut. Durch den starken Einfluss der Kirche hielt sich das Verbot operativer Tätigkeit sehr lange.

Doch das 17. Jahrhundert bringt auch Änderungen in der „Medizin“. Zwar bleibt die Zweiteilung von Arzt und Chirurg, aber die Chirurgie beginnt allmählich sich zu emanzipieren. Auch die Proktologie war bis daher nicht eine Domäne, über die öffentlich gesprochen wurde, geschweige denn, dass sie von Medizinern betrieben wurde.

Seit Hippokrates unterliess man vor allem die gefährlichen Operationen von Analfisteln, da sie oft tödlich endeten. Als Ludwig der XIV ungefähr 50 Jahre alt ist, wird sein Fistelleiden immer dramatischer. 1686 klagt der König über „einen kleinen Tumor gegen das Perineum, neben der Raphé, zwei Kreuzfinger vom Anus, ziemlich tief, wenig berührungsempfindlich, ohne Schmerzen oder Rötungen, nicht pulsierend.

Es heilt nicht mehr ab und die Hofärzte sind überfordert. Monatelang sind Scharlatane am Hof und verkaufen ihre Tinkturen und Heilmittel. Nichts erlöst den armen Sonnenkönig und sein Zustand verschlechtert sich extrem. Da wagt der erste Chirurg (Ein riskantes Unternehmen. Wird nichts unternommen, stirbt der König. Aber wenn er während der Operation stirbt, ist es auch das Aus für den Chirurgen.

Wie „gut“, dass es so viele mehr Menschen mit dem Leiden gibt. Also geht er von Gefängnis zu Gefängnis innerhalb Frankreichs und operiert und probiert verschiedene Operationstechniken an den Gefangenen mit Analfisteln aus.

Er bemerkt schnell, dass die Instrumente eines Chirurgen essentiell für das Gelingen der Operation sind und zusammen mit einem Handwerker schaffen sie das erste gebogene Skalpell.Dank des Erfolges am 17. November 1686 erlebt die moderne Chirurgie endlich Anerkennung. Innerhalb von 2 Monaten kann Ludwig der XIV sogar wieder reiten. Für viele ist es vor ein Wunder und der Glaube, dass ein König von Gott bevorzugt wird. Für andere ist es endlich Hoffnung von einem Leiden geheilt zu werden.

bild von binh nguyen auf pixabay

Wussten Sie schon?

.. dass nach einer Legende die englische „god save the queen“ Hymne aus dieser wundersamen Genesung mit Texten von Madame de Brinon entstand sein soll?

..dass es damals Gang und Gäbe war, nebst Aderlass auch Einläufe regelmässig durchzuführen

.. dass Ludwig der XIV 2000 Einläufe (und 5000 Aderlässe) hatte


Analfissur – Akut oder Chronisch ist ausschlaggebend für die richtige Therapie

Analfissuren haben unterschiedliche Ursachen. Oft ist harter Stuhlgang oder Verstopfung aber auch starker Druck bei einer Geburt, oder Hämorrhoiden Ursprung einer Fissur. Diese Einrisse sind Schleimhautriss im Bereich des Afters sind befinden sich meist Richtung Steissbein hin.

Symptome bei einer akuten Fissur sind starke Schmerzen (stechender Schmerz) begleitet von einer schwallartigen hellroten Blutung.

Die Heilungschancen mit konservativen also nicht-operativen Heilungswegen sind bei frischen Analfissuren sehr hoch. So können Salben das Leiden vollständig heilen.

Es besteht auch unter anderem die Möglichkeit Botox in den Schließmuskel zu spritzen.

Der Riss führt durch die Schmerzen oft auch zu einer  Verkrampfung des Schließmuskels und auch zu einem Fehlverhalten bzw. Vermeidungstaktik hinsichtlich des Toilettenganges. Dadurch kommt man leider in einen Teufelskreislauf, da sich der Stuhl wieder verdickt und zum erneuten Einreißen der Schleimhaut führen kann.

Besteht eine Fissur bereits länger als sechs Wochen und hat zu Vernarbungen geführt, spricht man von einer chronischen Fissur.

Symptome: Die chronische Fissur geht einher mit Schmerzen, Verkrampfungen der Schließmuskulatur und wulstigem Narbengewebe, auch Analfibrom oder Analpolyp genannt.

Zudem können sich durch die ständig wieder aufreißende Wunde und dem Wundfluss unter Umständen auch Analekzeme oder sogar Abszesse bilden.

Bei einer chronische Fissur haben Salben oft nicht mehr den gewünschten Heilungseffekt haben und man muss daher auf eine Operation zurückgreifen.

Wichtig für die Heilung und Vermeidung von Fissuren sind Maßnahmen der Stuhlregulierung: Viel nicht alkoholhaltige Flüssigkeit zu sich nehmen, wenig Zucker und  ballaststoffreiche Nahrungsmittel.


Habe ich einen Tumor und Krebs?

Der Begriff „Tumor“ wird oft gleichgesetzt mit Krebs. In Wirklichkeit ist das Wort Tumor nur eine Beschreibung für Wachstum oder eine Schwellung. Ein Tumor kann Krebs sein, ist es aber in der Mehrheit der Fälle nicht.

Vor allem im Enddarmbereich kommt es zu Knotenbildungen aufgrund mannigfacher Ursachen; in den seltensten Fällen handelt es sich tatsächlich um Darmkrebs.

Eine plötzliche Schwellung im Enddarmbereich, die bei vielen Patienten auftritt, ist die häufige Analvenenthrombose, ein Blutgerinnsel in den Venen am Darmausgang. Diese Analvenenthrombose verursacht spannende, drückende Schmerzen und tritt oft nach Pressen, zum Beispiel bei Verstopfung oder auch gerne nach übermäßigem Alkoholgenuss auf. Die Analvenenthrombose ist typischerweise prall zu tasten, verschieblich und mit glatter Oberfläche.

Stark vergrößerte Hämorrhoiden (mindestens Grad II) können zum Beispiel beim Stuhlgang nach außen prolabieren und dann ebenfalls als Tumor zu tasten sein. Im Gegensatz zu oben beschriebenen Analvenenthrombose sind prolabierende Hämorrhoiden weich. Sie nässen, jucken und bluten.

Gelegentlich bilden sich auch Hautfalten am Darmausgang, sogenannte Marisken, infolge der Analvenenthrombosen. Diese Marisken sind manchmal verhärtet, vernarbt und neigen zu Entzündungen. Marisken können auch entstehen aufgrund einer anderen proktologischen Erkrankungen, die sich weiter in der Tiefe, im Darm abspielt, zum Beispiel Analfisteln oder Analfissur. In diesem Falle sind die Marisken überschießendes Narbengewebe, welches durch den Druck am Schließmuskel langsam nach außen wächst.

Warzen am Darmausgang tasten sich hart und Jucken. Häufige Warzen sind Feigwarzen (Condylome); sie werden in der Regel durch Sexualkontakte, in der Sauna oder auch zum Beispiel durch Benutzung des gleichen Handtuchs übertragen. Die auslösenden Keime (humanes Papillomavirus) überleben in Feuchtigkeit.

Bösartige Geschwülste am Darmausgang wachsen langsam, sind oft nicht schmerzhaft und bluten beim Stuhlgang. Sie sind im Gegensatz zur oben beschriebenen Analvenenthrombose von unregelmäßiger, höckeriger Oberfläche und wachsen in die Tiefe des Gewebes, sind deswegen nicht verschieblich.

Auch Ärzte, die nicht häufig proktologische Erkrankungen sehen, verwechseln manchmal Analvenenthrombosen mit Hämorrhoiden oder sogar mit bösartigen Tumoren. Deswegen empfiehlt sich in der Regel ein Besuch beim Spezialisten, um sich kurz untersuchen zu lassen und Sicherheit über die Diagnose zu bekommen.

Fistel Chirurg Dr. Florian Wittig München

Abzess oder Fistel?

Der Proktologe und Chirurg Dr. Wittig in München hat täglich mit diesem Krankheitsbild zu tun. Patienten die uns aufsuchen, wissen nur selten was der Unterschied zwischen Abzess und Fistel eigentlich ist.

Eine Fistel ist eine nicht natürlich entstandene röhrenförmige oder röhrennetzartige Verbindung zwischen einem Hohlorgan und einem anderen Organ oder der Körperoberfläche.

Es wird hier unterschieden zwischen einer inneren (heißt, sie liegt komplett im Körperinneren) und äußeren Fistel (mit Verbindung an die Körperoberfläche).

Im Analbereich sind Fisteln häufig. Ursachen sind meistens infizierte Analdrüsen, seltener Morbus Crohn, Divertikulitis oder auch Darmkrebs. Diese Erkrankungen führen durch sich ausbreitende „Eiterstrassen“ zu der Ausbildung von Fistelkanälen. Eine Öffnung der Fistel zur Hautoberfläche in der Afterregion ist anfangs nie vorhanden.

Der Abszeß ist eine Eiteransammlung in einer nicht natürlichen Körperhöhle. Er muß schnell entlastet (aufgeschnitten) werden, damit der Eiter abfliessen kann und die Heilung erfolgen kann.

Die Fistel ist oft ein Restzustand nach Abszeß und kann – abhängig vom Entzündungszustand – entweder sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt entfernt werden.

Manchmal zeigt sich eine Fistel auch durch anhaltende Sekretion aus einem Loch, neben dem Darmausgang. Ganz wichtig für die Behandlung der Fistel ist ihr Verlauf durch den Schließmuskel. Dieser kann dadurch in seiner Funktion natürlich beeinträchtigt werden und es benötigt einen erfahrenen Chirurgen, um diese Operation zum Erhalt der Darmmuskulatur durchzuführen.

Wichtig ist die genaue Diagnostik, da Fisteln unterschiedlichste Verläufe am Enddarm nehmen können und manchmal Verzweigungen oder Seitengänge aufweisen.

Die Fistel kann durch verschiedene Operationsmethoden beseitigt werden, entweder durch konventionelle Operation/Resektion, oder durch Implantation eines so genannten Analfistel Plugs, eines „Stöpsels“, der in den Fistelgang eingebracht wird.

Die Operationsmethode mit dem Analfistel Plug ist manchmal schonender, aber die Heilungsquote ist nur bei etwa 40-50%.

Es gibt noch andere Methoden, die noch nicht abschließend beurteilt werden können, wie Laser, Ultraschall, „Kleben“ (mit Fibrin) oder „Klammern“ (OTSC).

 

Lassen Sie sich beraten und stellen Sie Fragen! Es ist Ihr Körper und Ihre Gesundheit.

Bitte beachten Sie, dass die Artikel auf unserem Blog oder unserer Webseite nicht zur Selbstdiagnose geeignet sind. Für eine Diagnose ist immer ein Arztbesuch notwendig.

Für eine Diagnose oder Hilfe bei Abzessen können Sie gerne einen Termin bei uns in der Praxis in München vereinbaren.